VERNISSAGE am Sonntag, 19.November 2000 um 11.30 Uhr

Einführung: Margot Gottschick im Gespräch mit Ulla Gröne (Nachlass Seible-München)
19.November 2000 bis 12.Januar 2001

HELMUT SEIBLE
1889 - 1955

Ein schwäbischer Maler
im Aufbruch vom Impressionismus zur Moderne

 


1889 geboren in Weingarten
1908 Abitur in Stuttgart
1909 Helmuth Seible schlägt die Offizierslaufbahn ein Beginn der Freundschaft mit Fritz von Graevenitz
1918 Heirat mit Hildegard Hagel in Ulm
1919 Tätigkeit im gouvernement der Stadt Ulm
1919 Eintritt in die Kunstschule Ulm
1921 Übersiedlung nach Reutlingen
1935 Reaktivierung als Offizier und Rückkehr nach Ulm
intensive Beschäftigung mit der Malerei
Mitglied der Künstlergilde Ulm
Erlernen der Lithographie-Technik beim Drucker Blessing
1944 als Oberstleutnant in Tübingen
Beginn der Freundschaft mit der Tübinger Bildhauerin SuseMüller-Diefenbach
Eintritt in den dortigen Künstlerkreis
1946 Mitglied der Notgemeinschaft Tübinger-Reutlinger Künstler (später Künstlergruppe "Elipse"), Bekanntschaft mit dem Maler Manfred Henninger
1952 endgültige Zuwendung zur Malerei
1953 Paris-Aufenthalt
1955 am 30.September in Tübingen-Lustnau gestorben

Ausstellungen
1954 Kunsthaus Fischinger
1955 "Die Schwäbische Alb" / Stuttgart, Killesberg
1956 Wanderausstellung / Tüingen, Regierungspräsidium
1956 Einzelausstellung Saulgau, Die Fähre
1957 Tübingen, Rathaus
1958 Reutlingen, Spendhaus
1982 Senden, Ges.d. Sendener Kunstfreunde "Brücke"
1985 Tübingen, Galerie Gottschick
1991 Tübingen, Retrospektive, Galerie Gottschick

Werke in öffentlichem Besitz

Regierungspräsidium Tübingen
Kunstmuseum der Stadt Reutlingen


Eine Retrospektive des künstlerischen Werks des Malers Helmuth Seible bietet die Ausstellung in der Galerie Gottschick. 1997 starb Suse Müller-Diefenbach, Bildhauerin und Wegbegleiterin von Helmuth Seible in seinen letzten Jahren in Tübingen. Die Aufarbeitung des Nachlasses der Künstlerin brachte einige unbekannte Werke von Helmuth Seible ans Licht.

In dieser Ausstellung stellen wir die verschiedenen Schaffensphasen des schwäbischen Malers dem Publikum erstmals vor. Sie zeigt seine Entwicklung von der naturalistischen Landschaftsbearbeitung zur freien Übersetzung des Motivs in eine fast abstrakte Farblandschaft.

Ein Block von zehn Lithographien führt in die Ausstellung ein. Sie entstanden in den 30er Jahren in Ulm und sind als Fingerübungen zu verstehen.

Die erste Werkgruppe führt das Thema weiter. Der Blick des Malers wandert in der Landschaft. Details der Bäume, des Waldes treten in den Vordergrund und geben den Blick auf weite Horizonte frei. Die theoretischen Kunstdiskussionen mit Fritz von Grävenitz, Freund und beruflicher Begleiter in der Armee, geben Anreiz und Kraft, sich intensiv um die Malerei zu bemühen.

In der zweiten Hälfte der 40er Jahre beginnt die Farbe den Blick des Malers zu verändern. Tiefe, weite Blicke bilden sich aus der Farbgebung heraus. Farbe wird zum eigentlichen Zweck der Malerei und verselbständigt sich.

Anfang der 50er Jahre behandelt Seible Farbe neu - in sich lebendige Flecken, und der Blick über die Landschaft hinweg bringen Weite ein. Das Motiv tritt immer mehr in den Hintergrund. Stimmung wird zum wichtigsten Kriterium. Der Maler entwickelt seine Art der abstrakten Malerei.

1953 besucht Helmuth Seible Paris. Seine kurze Reise lässt eine große Wirkung in Motiv und Stil zurück. Die Stadtlandschaft mit verschiedenen Lichtschattierungen und Figurengruppen beleben in impressionistischer Manier die Bilder.

In der Fortsetzung seiner Landschaften werden auch hier die Bilder zum Spiegel seiner inneren Gefühle. Langsam lösen sich die Farbflecken zugunsten der Konturenmalerei ab. Verwandte Farben vereinheitlichen das Motiv. Das Bild wird ruhiger bei gleicher Intensität. Man spürt neue Ruhe einkehren.

1955 stirbt Helmuth Seible unerwartet im Alter von 66 Jahren in Tübingen.
Ulla Gröne