JÖRG BACH

Objekte und Frottagen
20.Juni bis 9.August 2004


VERNISSAGE am Sonntag, 20.Juni 2004, 17.30 Uhr


Einführung 18.00 Uhr Clemens Ottnad, M.A.
Kunstverein Reuttlingen Hans-Thoma-Gesellschaft

Der Künstler wird anwesend sein

Standpunkt, 2003/11 - 202 x 70 x 70 cm, Edelstahl, Unikat


Jörg Bach

1964 geboren in Wolgast
1983-86 Praktikum bei Bildhauer Roland Martin
1986-91 Studium der freien Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Karlsruhe (Prof.W.M.Förderer und Prof. H.Akiyama)
1988-2001 Künstlerische Lehrtätigkeit an der Städt. Jugendkunstschule Tuttlingen
1992 Mitglied Verband Bildender Künstler Württemberg e.V.

Lebt in Mühlheim/Donau

> die Ausstellungsliste


Text von Rudolf Greiner, Tübingen

Von innen nach außen entfaltet sich die Kraft von Jörg Bachs Objekten. Das ist der umgekehrte Weg wie gewöhnliche Bildhauer durch Wegnehmen von Material zu ihren Gestaltungen gelangen.
Ausgangspunkt für Jörg Bachs Skulpturen sind dabei kompakte Grundformen: Kugel, Würfel, Quader. Durch eine verborgene innere Kraft bewegt, werden diese kompakten Formen aufgebrochen. Sie teilen sich, blähen sich auf, verzweigen sich und strecken sich ins Überdimensionale. Zugleich krümmen sie sich immer wieder zurück zu jener Energie, aus der sie hervorgegangen sind. Positiver und negativer Raum, ein Hinein und Heraus, ein Hindurch und ein Drumherum entstehen. Wie von selbst nehmen dabei die abstrakten Formen seiner Objekte Gegenständliches auf, die sich auch in den Titeln spiegeln. "Tisch"-, "Ketten- und Knoten"-Gebilde lassen sich assoziieren. Wie am "Gully" von 1997 deutlich abzulesen ist, erhalten solche Gebilde vegetatible Lebendigkeit. Im Gegenzug dazu werden pflanzliche Anklänge in ein geometrisches und technoides Formenvokabular eingebunden. Aus "Sporen" wird "Flug-Zeug". Seine Zeichensysteme - er nennt sie "Bildstaben" - verblüffen Sehgewohnheiten. Der Tisch wächst z.B. ins Unbrauchbare oder der Blaue Fleck nimmt Gestalt an und läuft davon. Zusammenhänge werden bis dorthin geführt, wo sie mit Logik nicht mehr lösbar sind. Der Betrachter reagiert mit Lachen aus Ausdruck seiner Verblüffung. Dadurch bewirken Jörg Bachs Objekte auch immer eine distanzierende und geradezu kritische Haltung zur Wirklichkeit. Seine "Weg-Weg-Weiser" weisen nicht auf einen Weg hin, sondern weg von einem einzigen Weg. Diese multiperspektivischen und entgegen-gesetzten Richtungen sind Grundlage aller seiner Werke. Jörg Bachs Objekte ergreifen nicht nur Raum, sondern machen ihn transparent. Man sieht durch ihn hindurch in andere Räume und Weiten. Dies gelingt und wird zu einer überzeugenden Einheit durch das Material, das er verwendet: Vierkanteisen massiv oder aus Stahlblech verschweißt und eingebrannter monochromer Farbigkeit.